Die Kasseler Korkmodelle Antonio Chichis,
die 1986 im Rahmen einer Sonderausstellung im Ballhaus Wilhelmshöhe zu sehen
waren, lieferten dem Kölner Modellbauer Dieter Cöllen einen der entscheidenden
Impulse, sich der Anfertigung von Korkmodellen zuzuwenden. Cöllen, der Modelle
für die Projekte prominenter Architekten herstellt, ließ sich von der
Möglichkeit faszinieren, in Kork die Spuren der Zeit darzustellen. Sowohl
architektonische Details als auch verwitterte Oberflächen lassen sich mit
dem elastischen Material naturgetreu wiedergeben. Kork entspricht durch seine
poröse Struktur im Ausdruck dem Stein von Bauwerken, die von der Zeit geprägt
wurden.
Da mit dem Ende des Klassizismus auch die Kunst des Korkmodellbaus verlorenging, mußte Cöllen sich die Handwerkstechnik völlig neu erarbeiten. Sowohl durch die Auseinandersetzung mit den großen Vorgängern wie Chichi und May über ein intensives Studium erhaltener Korkmodelle und Literaturrecherchen, als auch durch die praktische Arbeit mit dem Material selbst gelang ihm eine Wiederbelebung der Technik, die er ständig weiterentwickelt. Im Sinne einer handwerklich-künstlerischen Auseinandersetzung strebt Cöllen eine Perfektionierung an und begnügt sich nicht damit, allein die Arbeitsweise seiner Vorbilder zu kopieren. Nicht nur die Bautechnik, sondern auch die Beschaffung des Rohmaterials sind Ergebnis aufwendiger Recherche. Um Erfahrungen mit der Bautechnik und den Ausdrucksmöglichkeiten des Materials zu gewinnen, nahm Cöllen sich zunächst historische Bauwerke zum Vorbild, die ihm an seinem Zweitwohnsitz im Süden Frankreichs vor Augen standen. Dann wandte er sich den antiken Bauten Italiens zu, die schon von den klassizistischen Modellbauern in Kork umgesetzt worden waren.
Cöllens Absicht ist es jedoch keinesfalls, die Werke Chichis und seiner Kollegen bzw. Rivalen zu kopieren. Seine Arbeit basiert vielmehr auf modernen archäologischen Grundlagen. Sein Ziel ist es, die Proportionen und den augenblicklichen Zustand der Bauwerke möglichst exakt zu dokumentieren. Cöllen arbeitet eng mit Archäologen zusammen und bemüht sich, bei der Anfertigung seiner Modelle wissenschaftliche Bauaufnahmen zugrundezulegen, die in ihrer Qualität dem jeweils aktuellen Stand der Forschung entsprechen. Auch darin wird das Bestreben sichtbar, über die Vorbilder hinauszugelangen.
Seit einigen Jahren ist ein wachsendes Interesse an Modellen historischer Baudenkmäler zu beobachten. Einzelheiten von Gebäuden sind aufgrund von deren Dimensionen im Gelände häufig schwer zu erfassen. Gerade archäologische Stätten sind darüber hinaus aus konservatorischen Gründen oft nicht mehr uneingeschränkt zugänglich. Maßstäblich verkleinerte Modelle können in gewisser Hinsicht die Beschäftigung mit der Architektur als solcher erleichtern. Der veränderte Blickwinkel im Rahmen einer Museumsausstellung kann zu einer genaueren Betrachtung einladen. Im Gegensatz zu zweidimensionalen Reproduktionen ermöglichen Modelle es, das Bauwerk als Ganzes in seiner Plastizität zu erfassen. Die Korkmodelle der Gegenwart knüpfen folglich auch in ihrer Funktion in gewisser Weise an die Tradition ihrer Vorbilder an.
Archäologische Baudenkmäler unterliegen sowohl durch Verfall als auch durch spätere Nutzung oder Restaurierungsmaßnahmen einer ständigen Veränderung. Ein Vergleich historischer Modelle mit Modellen der Gegenwart dokumentiert nicht nur die jeweilige Auseinandersetzung mit der Antike und ihren Stellenwert anhand des Zustands der Bauten und der Form ihrer Wiedergabe. Die Gegenüberstellung ermöglicht es darüber hinaus, die Zeit einzufangen und ihren Lauf sichtbar zu machen.
Da mit dem Ende des Klassizismus auch die Kunst des Korkmodellbaus verlorenging, mußte Cöllen sich die Handwerkstechnik völlig neu erarbeiten. Sowohl durch die Auseinandersetzung mit den großen Vorgängern wie Chichi und May über ein intensives Studium erhaltener Korkmodelle und Literaturrecherchen, als auch durch die praktische Arbeit mit dem Material selbst gelang ihm eine Wiederbelebung der Technik, die er ständig weiterentwickelt. Im Sinne einer handwerklich-künstlerischen Auseinandersetzung strebt Cöllen eine Perfektionierung an und begnügt sich nicht damit, allein die Arbeitsweise seiner Vorbilder zu kopieren. Nicht nur die Bautechnik, sondern auch die Beschaffung des Rohmaterials sind Ergebnis aufwendiger Recherche. Um Erfahrungen mit der Bautechnik und den Ausdrucksmöglichkeiten des Materials zu gewinnen, nahm Cöllen sich zunächst historische Bauwerke zum Vorbild, die ihm an seinem Zweitwohnsitz im Süden Frankreichs vor Augen standen. Dann wandte er sich den antiken Bauten Italiens zu, die schon von den klassizistischen Modellbauern in Kork umgesetzt worden waren.
Cöllens Absicht ist es jedoch keinesfalls, die Werke Chichis und seiner Kollegen bzw. Rivalen zu kopieren. Seine Arbeit basiert vielmehr auf modernen archäologischen Grundlagen. Sein Ziel ist es, die Proportionen und den augenblicklichen Zustand der Bauwerke möglichst exakt zu dokumentieren. Cöllen arbeitet eng mit Archäologen zusammen und bemüht sich, bei der Anfertigung seiner Modelle wissenschaftliche Bauaufnahmen zugrundezulegen, die in ihrer Qualität dem jeweils aktuellen Stand der Forschung entsprechen. Auch darin wird das Bestreben sichtbar, über die Vorbilder hinauszugelangen.
Seit einigen Jahren ist ein wachsendes Interesse an Modellen historischer Baudenkmäler zu beobachten. Einzelheiten von Gebäuden sind aufgrund von deren Dimensionen im Gelände häufig schwer zu erfassen. Gerade archäologische Stätten sind darüber hinaus aus konservatorischen Gründen oft nicht mehr uneingeschränkt zugänglich. Maßstäblich verkleinerte Modelle können in gewisser Hinsicht die Beschäftigung mit der Architektur als solcher erleichtern. Der veränderte Blickwinkel im Rahmen einer Museumsausstellung kann zu einer genaueren Betrachtung einladen. Im Gegensatz zu zweidimensionalen Reproduktionen ermöglichen Modelle es, das Bauwerk als Ganzes in seiner Plastizität zu erfassen. Die Korkmodelle der Gegenwart knüpfen folglich auch in ihrer Funktion in gewisser Weise an die Tradition ihrer Vorbilder an.
Archäologische Baudenkmäler unterliegen sowohl durch Verfall als auch durch spätere Nutzung oder Restaurierungsmaßnahmen einer ständigen Veränderung. Ein Vergleich historischer Modelle mit Modellen der Gegenwart dokumentiert nicht nur die jeweilige Auseinandersetzung mit der Antike und ihren Stellenwert anhand des Zustands der Bauten und der Form ihrer Wiedergabe. Die Gegenüberstellung ermöglicht es darüber hinaus, die Zeit einzufangen und ihren Lauf sichtbar zu machen.
Nina Elseifi-Zimmermann
Staatliche Museen Kassel, Schloss Wilhelmshöhe, Antikensammlung
aus dem Katalog der Korkmodelle, 2.Auflage, Juni 2001