DIE KORKMODELLE
"ROM ÜBER DIE ALPEN TRAGEN ..."
"ROM ÜBER DIE ALPEN TRAGEN ..."
HIESS es, wenn
Italienreisende und Architekturliebhaber wundersame und kostspielige Modelle antiker
Bauwerke aus Kork nachempfunden als Souvenirs mit nach Hause brachten. Die Herstellung
von Korkmodellen als Reiseandenken und Studienobjekte entwickelte sich in Rom
mit dem Beginn des Klassizismus in der Architektur und einer modernen Altertumsforschung
sowie mit dem sich ausbreitenden Interesse für die Antike unter den gebildeten
Europäern. Kork war um 1800 ein häufig verwendetes Material. Alle acht
bis zehn Jahre wurde die Korkrinde von den im südlichen Europa wachsenden
Korkeichen abgeschält. Für den Modellbau wurden die gebogenen Korktafeln
lange in Pressen geglättet, bevor sie mit einer Vielzahl von scharfen Werkzeugen
bearbeitet werden konnten. Doch gerade der elastische, poröse Kork war ideal,
um die vom Zeitlauf verwitterten Steine der Bauwerke naturgetreu wiederzugeben.
Auf die Genauigkeit kam es an, auf den Maßstab und die adäquate Erscheinung.
Als Erfinder von präzisen Architekturmodellen in Kork gilt Agusto Rosa, römischer
Architekt, der sein Zubrot mit der Herstellung der verschiedensten Bauruinen von
Rom und Umgebung verdiente. Der Theologieprofessor aus Würzburg Franz Obertür,
der einmal während einer Italienreise zu Gast bei Rosa war, verlieh der neuen
Darstellungstechnik den Namen Phelloplastik (vom Griechischen: phello = Kork).
UNTER den Nachfolgern des verstorbenen Agusto Rosa war Antonio Chichi der erfolgreichste Vertreter des Architekturmodellbaus aus Kork in Italien. Seine Modelle waren begehrte Sammelobjekte. Der Nestor deutscher Korkmodelle war Carl May, ein kunstinteressierter Hofkonditor. Er hatte eine bestechende Idee, statt der vergänglichen Dekorationen aus Zuckerguss, Fett oder Farbensand seine Korkmodelle als festlichen Schmuck auf die Prunktafeln zur Anregung gelehrter Konversation über Baudenkmäler und Kunstwerke aufzustellen. Von den Tafelaufsätzen gelangten die faszinierend naturgetreuen Modelle antiker Bauten und Ruinen aber auch deutscher Schlösser schnell als begehrte Sammelobjekte in Kunstkabinette ganz Europas. Sie wurden nicht selten für Architekturstudien verwendet. Auch Frankreich hatte einen erwähnenswerten Vertreter der Phelloplastik, den in Marseille geborenen Stephan Stamati. Neben römischer Bauten waren unter seinen Korkmodellen auch Beispiele französischer Baukunst. Sehr kurzlebig war die faszinierende Kunst der Korkbildnerei, der Phelloplastik. Sie erlebt nur eine kurze Blüte, welche mit Aufstieg und Fall des Klassizismus in der Baukunst einherging. Durch die von Dieter Cöllen neuentwickelte Technik der Korkverarbeitung und die zeitgemäße Ästhetik seiner Korkmodelle und ihrer Präsentation erlebt die vergessene Kunst der Phelloplastik nicht nur ihre Renaissance, sondern auch eine Weiterentwicklung.
UNTER den Nachfolgern des verstorbenen Agusto Rosa war Antonio Chichi der erfolgreichste Vertreter des Architekturmodellbaus aus Kork in Italien. Seine Modelle waren begehrte Sammelobjekte. Der Nestor deutscher Korkmodelle war Carl May, ein kunstinteressierter Hofkonditor. Er hatte eine bestechende Idee, statt der vergänglichen Dekorationen aus Zuckerguss, Fett oder Farbensand seine Korkmodelle als festlichen Schmuck auf die Prunktafeln zur Anregung gelehrter Konversation über Baudenkmäler und Kunstwerke aufzustellen. Von den Tafelaufsätzen gelangten die faszinierend naturgetreuen Modelle antiker Bauten und Ruinen aber auch deutscher Schlösser schnell als begehrte Sammelobjekte in Kunstkabinette ganz Europas. Sie wurden nicht selten für Architekturstudien verwendet. Auch Frankreich hatte einen erwähnenswerten Vertreter der Phelloplastik, den in Marseille geborenen Stephan Stamati. Neben römischer Bauten waren unter seinen Korkmodellen auch Beispiele französischer Baukunst. Sehr kurzlebig war die faszinierende Kunst der Korkbildnerei, der Phelloplastik. Sie erlebt nur eine kurze Blüte, welche mit Aufstieg und Fall des Klassizismus in der Baukunst einherging. Durch die von Dieter Cöllen neuentwickelte Technik der Korkverarbeitung und die zeitgemäße Ästhetik seiner Korkmodelle und ihrer Präsentation erlebt die vergessene Kunst der Phelloplastik nicht nur ihre Renaissance, sondern auch eine Weiterentwicklung.